Nahaufnahme des Holzschnitts von Richard Moritz (1926) mit Fokus auf das Gesicht des Halloren und die Kulisse im Hintergrund. Deutlich erkennbar sind architektonische Details der Marktkirche der Stadt Halle (Saale) und eine Fahne mit Muster. Die Linienführung des Holzschnitts hebt Gesichtsausdruck und Kleidung des Dargestellten markant hervor.
17. Juli 2025
Der Bornritt der Halloren

Ein Bild wie ein Schwur

Ein Hallore hoch zu Ross, im Hintergrund die Stadtsilhouette von Halle. Ernst, feierlich, unverrückbar. Der Holzschnitt von Richard Moritz zeigt eine der ältesten Traditionen der Salzwirker: den sogenannten Bornritt.

Wenn ein neuer Landesherr sein Amt antrat, war es Brauch, dass die Halloren das Pferd des Fürsten feierlich um die Brunnen im Thal führten. Der älteste Hallore ritt vorneweg. Begleitet wurde der Zug von den übrigen Brüdern der Salzwirker-Brüderschaft, mit Fahnen und Trommeln. Ein Ritual, das ebenso demonstrativ wie selbstbewusst war.

Das Pferd galt als Gabe an die Brüderschaft. Es wurde jedoch meist gegen Geld wieder ausgelöst. Mit dem Erlös wurde gemeinsam gefeiert. Diese Geste, halb Huldigung, halb Entführung, war Teil einer jahrhundertealten Ordnung, in der Rechte, Rollen und Rituale fein austariert waren.

Erstmals ist der Bornritt im Jahr 1446 belegt. Selbst im 19. Jahrhundert wurde die Tradition noch gepflegt, zuletzt bei der Erbhuldigung für König Friedrich Wilhelm IV. im Jahr 1840. Auch damals ritten die Halloren durchs Thal, mit einer neuen königlichen Fahne und dem vom König übersandten Pferd.

Der Holzschnitt aus dem Jahr 1925 hält diese Geschichte in kraftvollen Linien fest. Er zeigt, wie sehr Geschichte auch über Bilder weiterlebt.